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  • christianrutishaus

Angst - vor Atomkrieg, Energieknappheit, kulturellem Niedergang?


Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber. Im Augenblick funktioniert sie jedoch bei der atomaren Abschreckung. Putin droht mit Einsatz von Atomwaffen, um die Ukraine in die Knie zu zwingen und den Westen zu demotivieren. Der Westen kann mit seiner Atommacht Putins Kriegshandeln bremsen. Doch Atomwaffen sind nur so lange nützlich, als sie nicht eingesetzt werden. Im Moment, in dem sie gezündet werden, sind sie für alle Kriegsparteien verheerend. Nicht nur im globalen Kontext, sondern auch im begrenzten Einsatz innerhalb eines konventionellen Kriegs: Die Gebiete sind dann für alle verseucht, für die Bevölkerung wie für beide Kriegsparteien. Atomare Waffen gehören zu einer Angst- und Schreckensstrategie, die zur Logik dieser Welt gehört. Im Tiefsten widerspricht sie jeder Kultur. Es ist ein Armutszeugnis, dass unsere Zivilisation sie braucht.

Der Krieg wird nicht nur an der Front geführt. Durch Angriffe auf die Infrastruktur verschiedenster Länder, heute im digitalen Bereich besonders fragil, werden verschiedene Gesellschaften in den Krieg hineingezogen. Alle Bürger und Bürgerinnen erfahren ihn durch Einschränkungen und Verzicht, die aufgezwungen werden. Die Energieknappheit, die vor der Tür steht, fordert alle heraus. Angst hilft auch hier nicht weiter, weil sie nur zu Überreaktionen führt. Die Energiepreise schnellen in die Höhe, Hamster- und Abschottungsmentalität greifen um sich. Die ökologische Krise, die Herausforderung durch Migration, die langfristigen Grundanliegen wie zum Beispiel Erziehung geraten aus dem Blickfeld. Es braucht heute eine Politik, die nicht nur kurzfristig denkt, sondern gerade die schwachen Bevölkerungsgruppen im Blick hat und den breiten Mittelstand stützt. Dies sind zwei Bevölkerungsgruppen, die für das Gemeinwohl besonders im Auge sein müssen. Vor allem gilt es aber auch die Profiteure der Krise in Schach zu halten. Jeder Krieg kennt sie. So stellt sich schon nur einmal die Frage, wer von den hohen Energiepreisen eigentlich profitiert.

Die Angst befällt den Menschen. Dass er nicht nur reagiert, sondern auch in der Krise gestalten kann, braucht er eine alternative geistige Kraft, eine Sicht auf das Leben, die ihn dennoch Vertrauen lässt. Im Krieg und dem damit verbundenen babylonischen Exils ist die Hebräische Bibel entstanden. Sie ist weder angstvoll noch pessimistisch. Sie schaut mit ihrem Schöpfungsdenken positiv in die Welt, ohne Gewalt und Ungerechtigkeit zu verdrängen, beginnt ihre Erzählung doch mit Mord und Todschlag von Kain an Abel. Die Bibel führt schon in den nächsten Kapiteln zu so umfassender Gewalt, dass ein Ausweg nur durch eine tabula rasa, durch die Sintflut, gefunden wird. Die Bibel bekennt, dass apokalyptische Zerstörung und Weltuntergangsdenken jedoch keine Lösungen. Gott schliesst mit Noa und allen Geschöpfen einen Bund, nie wieder so zu verfahren. Er setzt danach vielmehr mit der Berufung von Abraham und Sara zu einer langwierigen Geschichte an. Sie findet bis heute ihren Fortgang, wenn der Mensch lernt, nicht in Panik auf Krisen zu reagieren, sondern sich aufmachen, um angemessen und situationsgerecht zu handeln.

Begrenzungen von Lebenswohlstand und Annehmlichkeiten werden auf der materiellen Ebene zu Einschränkungen und Verzicht zwingen. Umgang mit Begrenzungen wird neu eingelernt werden müssen. Sie gehört zu einer biblischen Spiritualität, die auf der ersten Seite davon spricht, dass der Menschen von allen Bäumen die Früchte essen darf, nur von einem nicht. An- und Abgrenzungen wie auch Verbundenheit und Beziehung einzuüben, gehört zu einem Lebensstil, der sozialökologisch verträglich ist. Ein bescheideneres Leben führen, heisst wieder lernen, Mass zu halten, so wie es dem Geschöpf Mensch neben allen anderen Geschöpfen zugemutet wird. Vor allem aber können dabei auch wieder neue Qualitäten entdeckt werden. Lebensbedingungen sollen nicht nur gezwungener Weise miteinander aushandelt werden. Es gehört zu Verantwortung und Berufung der Menschen, dass sie miteinander Gemeinschaft und Gesellschaft so gestalten, dass möglichst grosse Gerechtigkeit und Freiheit für alle, gerade auch für die Minderheiten, erreicht wird.

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1 Comment


o.schreiber
Oct 16, 2022

Lieber Christian

Herzlichen Dank für diesen intelligenten Input zur aktuell nicht einfachen Situation🙏🏻

Oliver Schreiber

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